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Alle meine Wettkämpfe
(letzte Aktualisierung: 27.10.21)
 

siehe auch: schönste Läufe in Westfalen  Trophäen





"Ich sage Ja zum Schmerz -
und damit Ja zum Leben."

Guillaume Martin
(frz. Radprofi und Philosoph)



Die nächsten Läufe:

31.10.21 Bochum, Wittener Abendlauf  5
20.11.21 Essen, Blumensaat-Lauf  10

lfd.
Nr.

Datum

Ort

Name

Event
lfd Nr

 Distz
km

Distz
lfd Nr

ømin
/km

Std

Min

Sek

Link zu persönlichen
kurzen Eindrücken

2021

491 04.10.21

London (UK)

Marathon

22 42,2 60 6:26 4

31

34

Serie fortgeschlichen

490 22.08.21

Berlin

Halbmarathon

7 21,1 60 5:40 1

59

29

Trockenen Auges

R34 13.06.21

Vaison la R. (F)

GF Mont Ventoux

2 100 1 16,9 5

54

58

Peinlich ins Ziel

2020

489 04.10.20

Witten

London-Marathon virt.

21 42,2 59 6:12 4

39

11

Ruhr statt Themse

488 31.05.20

Essen

bunert Solo Run

1 5,0 49 5:58  

29

48

Solo in der Gruga

487 29.02.20

Bad Salzuflen

Baukasten-Lauf

5 26,0 2 6:12 2

41

07

Schuh-Taufe

486 18.01.20

Haltern

Um den Halterner See

2 10,0 129 5:04  

50

35

Tierische Sinnlosigkeit

485 12.01.20

Bönen

Lauf am Förderturm

1 10,0 128 5:00  

49

57

Ferner kämpften

  2008  2009  2010  2011  2012  2013  2014  2015  2016  2017  2018  2019
  1983-1998  1999  2000-2001  2002  2003  2004  2005 
2006  2007

491

04.10.21  London (UK), 41. Marathon
42,2

Leicht wird es uns nicht gemacht, ins Paradies der Ignoranz einzureisen. Schnelltest vor der Einreise, sehr langes Einreiseformular, PCR-Test nach der Einreise, noch ein Test für den Lauf. Sind diese Hürden überwunden, lebt es sich ganz ungeniert. In der Tube sieht man noch Masken, ansonsten erinnert wenig an Corona. So ist es dann auch beim Lauf. Die 35.000 Teilnehmer werden in ungefähr 40 Päckchen pünktlich so perfekt auf die Strecke geschickt, dass die Wartezeiten und das Gedränge deutlich geringer sind als früher. Anfangs hat man noch den Eindruck, dass es weniger Zuschauer sind als gewohnt, doch auf der 2. Hälfte ist die Stimmung grandios wie immer. Den Kleiderbeutel musste man schon auf der Messe abgeben, kein Problem, das ist immer noch besser als nur ein Poncho, wie es andernorts mittlerweile üblich ist. Die Londoner können für sich beanspruchen, die weltweit größte Laufveranstaltung des Jahres realisiert zu haben, und es hat funktioniert. Die vielen strahlenden Gesichter unterwegs und im Ziel zeigen, wie sehr das allen gefehlt hat.

Zu meinem Lauf: 42,2 km, 4:31:34, 133. M65 von 333, 19.597. gesamt von 35.879

Es ist ein kleines Wunder, dass ich heute hier wieder an der Startlinie stehen kann. In meinem  schlechtesten Laufjahr seit einem Vierteljahrhundert habe ich bisher ganze 500 Trainingskilometer absolviert. Ob ich auch das Ziel erreiche? Notfalls wird eben ein Wandertag daraus. Schließlich gilt es, die Serie fortzusetzen.

Mein Plan ist klar: Alle 5 km mache ich 500 Meter Gehpause. Ich bin gedanklich darauf vorbereitet und standfest. Nach 30 Minuten der erste Spaziergang, ich schleiche am Straßenrand entlang, während alle an mir vorbei rauschen. Zur Ehrenrettung rede ich mir ein, dass alle auf meinem Trikot sehen, dass hier kein Anfänger geht. Da steht groß drauf, dass ich schon 20mal dabei war. Aber der Plan geht auf, zumindest für 3,5 Stunden. Danach werden die Gehpausen länger und die Laufphasen kürzer. Aber ich weiß, dass ich ankomme. Wenn in Berlin die Tränen noch fehlten, heute kommen sie. Das Läuferleben ist noch nicht zu Ende.
 

490

22.08.21  Berlin, 40. Halbmarathon
21,1

Mit einigen kleineren Veranstaltungen ist die Laufszene allmählich schon wieder in Gang gekommen. Doch dies hier ist eine andere Dimension und macht Hoffnung auf ein normalisiertes Sportleben. Das Rahmenprogramm ist zwar arg zusammengestrichen, doch der Lauf fühlt sich schon an wie früher. Reichlich Platz gibt es für die über 13.000 Starter in 4 Wellen. Alle sind 3G-geprüft, erst beim Startschuss kommt die Maske runter, aber dann ist alles wie früher, wenn auch noch mit deutlich weniger Zuschauern. Danke an die Berliner Veranstalter, die damit ein Zeichen setzen.


Zu meinem Lauf: 21,1 km, 1:59:29, 42. M65 von 198, 6.299. gesamt von 13.281

Ich hatte erwartet, dass mir am Start die Glückstränen kommen. Doch nichts dergleichen. Zu groß ist die Anspannung nach der knappen Vorbereitung. Je einmal 10, 12, 15 und 18 km, das waren meine längsten Trainingsläufe. Werde ich hier überhaupt ins Ziel kommen? Was wird zuerst weh tun?

Ich bin entschlossen, ans Limit zu gehen. Dazu passt, dass ich vom Start weg den Pacemaker für 2 Stunden im Blick habe. Soll ich mal schauen, wie lange ich da mithalten kann? Ich lass ihn 50 m vorlaufen, dann registriere ich erfreut, dass sein Vorsprung nicht größer wird. Mit konsequentem Kurvenschneiden komme ich immer wieder näher ran, kann ihn bei km 13 sogar überholen. Wade, Knie, Hüfte, die Baustellen haben heute Ruhetag. Nach 18 km zieht der Pacemaker wieder vorbei, leichte Verunsicherung, die Beine werden schwer, ich schwanke etwas. Der Blick auf die Uhr motiviert mich, jetzt nicht stehen zu bleiben. Ich krieche dem Brandenburger Tor entgegen, doch es reicht. Wie so oft guckt mir ein Mediziner noch tief in die Augen, dann darf ich weiter zur Medaillenübergabe. Immer noch keine Tränen, aber für heute bin ich ausnahmsweise zufrieden.
 

R34

13.06.21  Vaison-la-Romaine (F), 7. Gran Fondo Mont Ventoux
100/2800, 122/3600

Die Konkurrenz-Veranstaltung in Beaumes-de-Venise wurde abgesagt, doch hier und heute findet dieses Rennen wie geplant statt, das einzige Zugeständnis an Corona sind die Masken vor dem Start und der 500er Wellenstart im Abstand von 5 Minuten. Mit 2.800 und 3.600 Höhenmetern wurden die Anforderungen gegenüber den Vorjahren deutlich verschärft. Das mindert die Resonanz nicht, insgesamt rund 2.500 Teilnehmer stehen in Vaison im vorgeschriebenen Teilnehmertrikot an der Startlinie. Wie immer führt die kürzere Route über den leichteren Anstieg von Sault auf den Ventoux, in der längeren Version ist von Bedoin aus deutlich mehr Beinkraft gefordert.

Der Wechsel des Sponsors (jetzt LaPierre) bringt leider einen Rückschritt. Die Wertung und Siegerehrung gibt es nur noch in 10-Jahres-Schritten, die Medaille wurde gar ganz gestrichen, was nach den durchlittenen Qualen zu enttäuschten Gesichtern führt.


Zu meinem Rennen: 100km/2800 Höhenmeter,
61. M60-69 von 131, 668. gesamt von 1.205

Im letzten Jahr hatte ich mich für die Langstrecke angemeldet, dann wurde das Rennen auf September verschoben und ich musste auf 2021 ummelden. Nun bin ich wieder ein Jahr älter und fühle mich nicht fit genug für 3.600 Höhenmeter. Die heutigen Hitzebedingungen bestärken mich darin, nach 70 km auf die Kurzstrecke abzubiegen. Von vielen Trainingsfahrten kenne ich jeden Meter der Strecke. Nach einer schmalen Nebenstrecke mit einem 10%-Appetithappen geht es über den leichten Col de la Madeleine nach Bedoin, dann folgt ein ernsthafter Anstieg auf den Col de la Gabelle, 10 km mit gemässigten 7% im Schnitt, der Genuss wird jedoch vom sehr rauhen Asphalt getrübt. Dafür ist die folgende Abfahrt umso schneller. Die Gorge de la Nesque bringt dann 20 km Sightseeing mit 2% Steigung. Langsam wird es warm und gleich ist die Trinkflasche leer. Die Auffahrt von Sault ist mir bestens vertraut, ich gehe in den Überholmodus, ein Engländer hängt sich dran und lobt mich für gleichmäßigen Tritt. Wenn der wüsste, wie es mir gleich gehen wird.

Die nächste und letzte Verpflegungsstation ist trocken gelaufen! Verzweifelt suchen die überhitzten Radler in auf dem Boden liegenden Wasserflaschen nach letzten Tropfen. Ich halte mich nicht lange auf, die halbe Stunde bis zum Chalet Reynard überstehe ich auch noch. Dort fülle ich die Trinkflasche, setze mich wieder aufs Rad und plötzlich bin ich am Ende. Jetzt geht nichts mehr. 500 Höhenmeter stehen noch an auf 6 km. Ich überhole jetzt nur noch die, die abgestiegen sind, ihr Rad schieben oder erschöpft im weißen Schotter des Ventoux am Straßenrad liegen. Aus dem frischen Teer der Straße tritt Öl aus, der Asphalt scheint zu dampfen, der Schädel ist an der Belastungsgrenze. 50 m vor dem Ziel zwingt mich ein höllischer Adduktorenkrampf zum Absteigen. Peinlich berührte Zuschauer wenden ihren Blick von mir ab. Für die letzte Rampe steige ich wieder auf, um fahrend die Ziellinie zu überqueren. Ein weiteres Rennen, wo besorgte medizinische Helfer mich im Ziel umringen. Ihre Miene ist eindeutig: "Warum tut der alte Knabe sich das an?"
 

489

04.10.20 Witten, 40. London-Marathon virtuell
42,2

Anfang März fand der Londoner Halbmarathon mit fast 20.000 Teilnehmern noch statt. Der Marathon wurde spät abgesagt und auf den 04.10.20 verschoben. Auch dann taten sich die Organisatoren schwer mit der Absage. Schließlich kommt es tatsächlich zu einem Eliterennen am Buckingham Palace. Da müssen die Sponsoren-Millionen wohl schwer gewogen haben. Wie dem auch sei, die Profis sind sicher dankbar für diese Start- und Verdienstmöglichkeit. Auch wir Hobbysportler sind letztlich froh, dass der virtuelle Massenlauf mit erheblichem Aufwand realisiert wird. Startnummern werden verschickt, das Marketing ist erheblich, eigens wird eine App entwickelt, und wir bekommen die Medaille und das Finisher-Shirt zugesandt. Schließlich sind fast 40.000 TeilnehmerInnen auf der vollen Distanz dabei, ein sporthistorisches Ereignis. Und nicht zuletzt wird für die zahlreichen Charities der Totalausfall ihrer größten Jahreseinnahme vermieden.


Zu meinem Lauf: 42,2 km, 4:39:11, 64. M65 von 281, 11.339 gesamt von 37.709

Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet, in diesem Corona-Jahr noch einen Marathon laufen zu müssen! Dass die Londoner die virtuelle Veranstaltung als vollwertige Ausgabe des 40. London Marathons zählen, lässt mir keine Wahl. Ich bin kalt erwischt, ziehe das Training kurzfristig an. Vorsichtig, dachte ich, aber da hatte ich die Rechnung ohne das Knie gemacht. Die letzten 2 Wochen mussten praktisch trainingsfrei bleiben. Was soll daraus werden?

Dass sich 2 Begleiter angesagt haben, empfinde ich zunächst als erhöhten Erfolgsdruck. Schließlich erweisen sie sich aber als große Hilfe, ebenso wie die mobile Verpflegungsstation durch C. Skeptisch habe ich sogar die Wanderstöcke ins Begleitauto gepackt. Unser Plan sieht Gehpausen alle 5 km vor. Das Konzept geht auf, und zwar sensationell gut. Immer wieder erholen wir uns mit Verpflegungsstopps und halten dazwischen ein 6min-Tempo. Die Gehpausen lassen mich humpeln, aber laufen kann ich, und zwar am Ende immer schneller, immer besser. Selbst ein Corona-Spaziergänger am Kemnader See kann mich nicht aufhalten. Er meint wohl, ich käme ihm zu nahe und will mir Beinchen stellen. Ich bin im Endorphin-Rausch und im Endspurt. Lass das Knie jetzt wochenlang beleidigt sein, der London Marathon ist im Sack! Davon kann ich eine Weile zehren.
 

488

31.05.20 Essen, 1. bunert Solo Run
5

Nach 2 Pandemie-Monaten ohne Wettkämpfe sind die Leute gierig nach einer Veranstaltung. Auch wenn sie etwas teurer ist. Das ist den rührigen Machern von bunert Essen nicht vorzuwerfen. Der Aufwand ist hoch und der Ertrag eher gering, da zählt schon mehr die Werbung. Wegen der großen Nachfrage muss der Lauf auf 2 Abende verteilt werden. Wir laufen im Grugapark nach Schließung für die Öffentlichkeit. Alle 2 Minuten wird ein Paar oder Einzelläufer auf die Strecke geschickt. So wird der Abend für die Helfer lang, danke für Euren Einsatz, besonders für das lautstarke Anfeuern auf der Strecke.
 

Zu meinem Lauf: 5 km, 29:49, 2. M65 von 5, 321. gesamt 478

Endlich mal wieder etwas Wettkampf-Luft schnuppern, wenn auch mit Einschränkung! Ein Start ohne Gedränge hat aber auch was. Doch mehr fehlt das Gemeinschaftsgefühl. Wir müssen uns einzeln zum Start bewegen, nur mit Abstand ruft man sich kurz Aufmunterungen zu. Und im Ziel geht alles schnell auseinander. Komisches Gefühl.

Ich betätige mich als Pacemaker für C. Das erstaunlich hügelige Streckenprofil bringt meinen Schützling an die Leistungsgrenze. Dass man im Alter solchen Ehrgeiz entwickeln kann! Er wird belohnt: Die 30-Minuten-Marke ist geknackt, und die älteste Teilnehmerin im Feld gewinnt die W65.

487

29.02.20 Bad Salzuflen, 27. Baukasten-Lauf
10/18/26/34/42

Wieder sind beim Baukasten-Lauf schon frühzeitig alle 1.500 Startnummern ausverkauft. Woran liegt das? Der Trick ist, dass man seine Distanz erst unterwegs wählt, indem man so viele 8km-Runden im Wald läuft, wie man sich heute zutraut. Fast alle Teilnehmer nutzen diesen Lauf als Training für größere Vorhaben, sei es ein Frühjahrsmarathon oder der Hermannslauf. Entsprechend entspannt  geht es hier zu. Nettozeiten Fehlanzeige, und nach wenigen Metern kommt der erste Stau beim Flaschenhals am Waldbeginn. Das stört hier keinen. Wir freuen uns über 2 Verpflegungsstationen pro Runde und spulen unsere Kilometer ab. Jahreszeit und Streckenprofil sorgen dafür, dass sich keine Anfänger hierher verlaufen. Wer hier läuft, hat noch mehr vor.


Zu meinem Lauf: 26 km, 2:41:07, 3. M65 von 4, 183. gesamt von 353

Die Zeit ist mir schnuppe. So weit wie heute bin ich seit Monaten nicht gelaufen. Ich will ankommen, möglichst ohne Gehpause. Am Start steh ich recht weit hinten. Deshalb steh ich auch nach dem Start noch eine ganze Weile. Vorher hab ich mich kurz warmgelaufen, denn die Schuhe sind neu. Ich weiß, das tun nur Anfänger, mit neuen Tretern gleich Wettkampf laufen, und dann auch noch 26 km lang. Kaum im Wald, werden die blitzsauberen Trailschuhe gründlich eingeweiht. Die reinste Schlammschlacht, der Dreck spritzt bis in die Kniekehle. Bergab wird das nachher noch mehr Spaß machen.

Das ständige Auf und Ab macht es dem Seniorenläufer nicht leichter. Diese eine Steigung muss doch mindestens 10% haben. Beim 3. Durchlauf überzeugt mich die innere Stimme: "So schnell, wie Du jetzt läufst, kannst Du auch gehen." Das tu ich dann auch und bin nicht der einzige und dabei auch nicht der Jüngste. Das Vergnügen kommt zum Schluss. Hemmungslos führt der Endspurt mitten durch die Schlammlöcher. Was für ein Spaß! Welche Farbe hatten die neuen Schuhe nochmal?
 

486

18.01.20 Haltern, 11. Lauf um den Halterner See
10

Diesen Lauf habe ich erst im letzten Jahr in die Liste meiner schönsten Läufe in Westfalen aufgenommen. Heute bestätigt sich diese Wahl. Hier stimmt einfach alles. Kostenlose Voranmeldung, genügend Parkplätze, reibungslose Orga, schöne, schnelle, genau vermessene Strecke mit exakten Einzelkilometern, blitzschnelle Auswertung, gemütliches Beisammensein in geheizter Halle mit genügend Sitzplätzen und großer Kuchentheke.

Schon beim Zieleinlauf gratuliert der Moderator C. zum Altersklassensieg. Wo gibt's denn sowas? Was man sich nur wünschen könnte, wäre eine schönere Jahreszeit für den Lauf. Aber der Januar macht ihn eben einzigartig.


Zu meinem Lauf: 10 km, 50:35, 8. M65 von 19, 251. gesamt von 581

Ich hab eigentlich genug Erfahrung, um zu wissen, dass ich beim 3. Zehner in 3 Wochen nicht wieder eine Verbesserung erwarten darf. Trotz aller Vorsätze renne ich doch wieder los, so schnell ich kann, und bei 5 km bin ich eher da als letzten Sonntag. Ich spüre schon vorher, dass ich überzogen habe. Die Oberschenkel sind müde, die Atmung geht schwer. Mit leichter Verwunderung registriere ich, dass ich an Stanislaw B. vorbei komme, der mir in Coesfeld noch die Fersen gezeigt hat.

Dann aber, schon ab Kilometer 7, setzt lautes Stöhnen ein und mit ihm zweifelnde Gedanken. Muss ich jetzt so ans Limit gehen? Interessiert es einen, ob ich eine Minute schneller oder langsamer bin? Es ist doch kein Grauhaariger in Sichtweite vor oder hinter mir. Wozu? Das Tier in mir ist stärker. Ich gebe alles für die Sinnlosigkeit und quäle mich ins Ziel, um wieder 8. meiner Altersklasse zu werden. Wie schön ist es doch, dabei zu sein. 

485

12.01.20 Bönen, 5. Lauf am Förderturm
2/10

30 Jahre lang begrüßten die Lauffreunde Bönen große Läuferscharen bei ihrem Lauf Rund um Flierich. Seit dem Umzug zum Förderturm ist die Resonanz nicht mehr ganz so riesig. "Keine spektakuläre Strecke... eher eintönig" höre ich vor dem Start von Ortskundigen. Aber flach ist sie, offiziell vermessen und schnell. Das ist schließlich das Wichtigste für Leute, die auch an einem kalten, windigen Wintertag nicht vor einem Wettkampf zurückschrecken. Hier trifft sich eben mehr Klasse als Masse. Das gilt nicht zuletzt für die höheren Altersklassen.

Die hoch motivierten Lauffreunde Bönen bürgen für perfekte Organisation und superschnelle Auswertung. Der Förderturm mag ein origineller Veranstaltungsort sein, aber er garantiert auch kalte Füße. Da kann auch die Kuchentheke nicht für längere Verweildauer sorgen.
 

Zu meinem Lauf: 10 km, 49:57, 8. M65 von 23, 148. gesamt von 366

Die 50 Minuten will ich heute noch nicht angreifen. Vielmehr möchte ich die Leistung vom Silvesterlauf bestätigen. Das Jahr ist noch lang, ein Seniorenläufer soll sich die Latte nicht so hoch hängen.

So bin ich ganz zufrieden mit den ersten Zwischenzeiten, die leicht über 5min-Tempo liegen. Nach 3 km taucht ein kräftiger Silberläufer neben mir auf und mustert mich von der Seite. Ich mustere zurück und ahne schon, was kommt. "M65?" "Ja, Du auch?" Mehr braucht es nicht für eine Kampfansage. Gérard E. legt gleich mal ein paar Meter zwischen uns. Lauf Du ruhig. Mein Psycho-Trick kommt bei Kilometer 5: "Da bin ich wieder." Die Uhr zeigt 25:15 min, alles im Plan. Hier in Bönen stimmt sogar die Vermessung. Jetzt greif ich mal an, aber G. bleibt dran und schlägt nochmal zurück. Es ist ein schöner Kampf zwischen zwei "ferner liefen". Wir wissen, dass wir heute auf den hinteren Plätzen enden. Ich schneide in bewährter Manier gnadenlos die Kurven. Das hat Gérard nicht drauf, die ersten Meter sind gewonnen und allmählich werden es mehr. Wer sich umdreht, zeigt Schwäche. Ich tue es trotzdem. Gewonnen. Bei 9 km zeigt die Uhr 45:08 min. Sollte ich beim ersten Lauf 2020 etwa schon das Saisonziel erreichen? Einbiegen auf die kurze Zielgerade. Noch 19 Sekunden. Es reicht. Ich bin gespannt, wie mein Gesicht auf dem Zielfoto aussieht.
 

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