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Alle meine Wettkämpfe
(letzte Aktualisierung: 15.06.18)
 

siehe auch: schönste Läufe in Westfalen  Trophäen
 

 







"When you combine motivation
with discipline
you get consistency."
(Eliud Kipchoge)
 

Die nächsten Läufe:

01.07.18 (Rad) Corvara (I), Maratona dles Dolomites  108/3100
22.07.18 Ultental (I), Ultner Höfelauf  17,9
28.07.18 Bozen (I), Sky Marathon  42,2/2863Hm

lfd.
Nr.

Datum

Ort

Name

Event
lfd Nr

 Distz
km

Distz
lfd Nr

ømin
/km

Std

Min

Sek

Link zu persönlichen
kurzen Eindrücken

2018

458 10.06.18

Sundern-Hagen

Höhenflug Trailrun

1 21,1 59 6:08 2

09

02

Abtauchen im Schotter

R30 02.06.18

Beaumes d.V. (F)

Granfondo Mt Ventoux

1 104 1 16,8 6

11

18

Profi-Feeling

457 18.05.18

Moncalvo (I)

Stramoncalvo

1 6,2 1 6:00  

32

16

Berglauf im Dorf

456 22.04.18

London (UK)

Marathon

19 42,2 52 6:48 4

46

53

Spazieren für Statistik

455 16.04.18

Boston (US)

Marathon

1 42,2 51 6:28 4

32

48

Marathon im Plastiksack

454 18.03.18

Hörnum

Syltlauf

9 33,3 9 6:06 3

23

21

Insel-Desaster

453 04.03.18

London (UK)

The Big Half

1 21,1 58 5:16 1

51

47

Brexit-Race

452 18.02.18

Herten

Bertlicher Straßenläufe

40 21,1 57 5:18 1

52

40

104 Mal Perfektion

451 14.01.18

Hout Bay (RSA)

Bay to Bay

3 15 35 5:41 1

25

13

Grand Master

450 06.01.18

Constantia (RSA)

Hohenort 15K

1 15 34 5:32 1

22

57

Nacht-Leistung

  2007  2008  2009  2010  2011  2012  2013  2014  2015  2016  2017
  1983-1998  1999  2000-2001  2002  2003  2004  2005 
2006

458

10.06.18 Sundern-Hagen, 5. Höhenflug Trailrun
0,8/1/1,7/5/10/21,1

Auf dem Dorf im Hochsauerland ist die Welt noch in Ordnung. Jedenfalls wird das mit dieser sehr schönen Veranstaltung bestätigt. Allein die wunderbare Laufstrecke mit vielen schmalen Wegen und schönen Aussichten wäre die Anreise mehr als wert. Dazu kommt eine beispielhaft gute Organisation mit vielen begeisterten Helfern und eine familiäre Volksfest-Atmosphäre. Schön, dass bei den Distanzen auch an den Nachwuchs gedacht wird. So muss das auf dem Dorf auch sein.

Kein Wunder also, dass der Lauf bei der 5. Auflage bereits fest etabliert ist und ausgebucht. Auf dem Parkplatz sieht man Kennzeichen aus Osnabrück, Münster oder Düsseldorf. Überall nur lobende Worte. Ich muss wohl nach langer Zeit mal wieder meine Liste der schönsten Läufe in Westfalen erweitern.


Zu meinem Lauf: 21,1 km, 2:09:02, 1. M65 von 5, 191. gesamt von 354

Mit wenig Selbstvertrauen stehe ich am Start und sortiere mich weit hinten ein. Schließlich bin ich seit Wochen keine Strecke mehr über 10 km gelaufen. Der Vorjahressieger in M65 hatte eine Zeit von 2:15, das zumindest traue ich mir schon zu und nehme es als Maßstab. Mit Gehpausen rechne ich durchaus. Schon am Ende des ersten Bergs ist es so weit. So schnell, wie ich hier laufen könnte, kann ich auch gehen. Mit fortschreitender Distanz steigt das Vergnügen. Ich liebe diese schmalen Wege, am besten über Stock und Stein, wenn man bei jedem Schritt aufpassen muss, wo der Fuß hingesetzt werden kann. Und das am liebsten bergab und immer schneller. Bei Halbzeit rechne ich mir bereits eine Chance auf 2:10 aus. Die Begeisterung steigt, der Übermut proportional auch. In Serpentinen geht es zum Schluss über einen extra für uns gemähten Wiesenweg hinab zur Zielstraße. Was für ein Spaß! Ich will schneller! Dann plötzlich eine steile Schotterstelle und eine 150° Kurve zum Asphalt. Ich stürze mich hinein und begreife es kaum. Der linke Fuß bleibt irgendwo kurz hängen. Ich torkele noch 2 oder 3 Schritte dem Abgrund entgegen und tauche schließlich kopfüber ab auf den schwarzen Schotter. Der Schock ist groß, ich rapple mich auf und rette mich stöhnend die letzten 500 Meter ins Ziel. Dort heißt es Wunden lecken. Ein schöner Tag mit einem bösen Ende, da kann weder die Zeit noch die Platzierung mich trösten. Fazit: Mit der Alterklasse steigt durchaus die Begeisterung, doch nicht die Vernunft.
 

R30

02.06.18 Beaumes de Venise (F), Granfondo de Mont Ventoux
104/2700, 170/4000

In der Radsportwelt ist der Mont Ventoux eine Legende. 16 Mal führte die Tour de France auf den Berg. Hier wurde Geschichte geschrieben. Von Merckx über Pantani bis Froome haben die Größten des Radsports hier Etappensiege gefeiert. Der Engländer Tom Simpson musste gar 1967 kurz vor dem Gipfel sein Leben lassen, nach einer Kombination aus Doping, Alkohol und Erschöpfung. Bis heute gedenken Hobbyradler seiner mit einem kurzen Stopp am Denkmal (Foto).

Eine ganze Reihe von Veranstaltungen wird im Lauf der Saison am Mont Ventoux ausgetragen. Allein an diesem Wochenende finden 2 weitere komibinierte Veranstaltungen für Radfahrer und Ultraläufer statt. Unser Rennen schließt den schwersten der drei Anstiege zum Gipfel ein. Von Bedouin geht es über 21 km und durchschnittlich 7,6% Steigung zum Gipfelturm. Die letzten 15 km kommen gar auf einen Durchschnitt von 8,8%.

Der Granfondo erweist sich kleine Veranstaltung, die mit sehr großem Aufwand und perfekter Organisation durchgeführt wird. Jede Kreuzung auf der Strecke wird für uns freigehalten. Da kommt echtes Profi-Feeling auf.


Zu meinem Rennen: 104 km/ 2700 Hm, 6:11:18,
41. M60-66 von 48, 340. gesamt von 393

Mein Trainingsaufwand hatte sich sehr in Grenzen gehalten, schließlich habe ich das Jahr zum Laufjahr ausgerufen. Nur einmal war ich in diesem Jahr überhaupt eine Distanz von 100 km gefahren, geschweige denn solche Höhenmeter. Ich verlasse mich darauf, dass ein Läufer auch Radfahren kann. Immerhin hatte ich letzten Dienstag eine Testfahrt auf den Ventoux gemacht. Daran erinnern sich allerdings die Beine heute auch. Macht nix, ich möchte hier nur ankommen, möglichst ohne die letzte Erschöpfung. Das gelingt nicht ganz. Das Mittelstück mit einem ständigen Auf und Ab kostet mich viel Kraft. Der letzte Anstieg nach Suzette fällt dann aber wieder leichter. Im Ziel schmeckt mir dann sogar die eigenwillige Kombination von 2 Bier und einem riesengroßen Eisbecher. Die Provence verlangt nach einem Wiedersehen.

457

18.05.18 Moncalvo (I), Stramoncalvo

Die Italiener sind sicherlich eines der laufverrücktesten Völker der Welt. Jedes noch so kleine Dorf hat mindestens einmal jährlich seinen Volkslauf. Hier in Moncalvo, einem kleinen Städtchen im piemontesischen Monferrato, findet der Lauf im Rahmen des Volksfestes "Festa Patronale di Sant Antonino" statt. Neudeutsch würde man den Lauf einen Fun Run nennen. Zwar werden die Schnellsten bei einer Siegerehrung präsentiert, doch gibt es keine Zeitnahme. Knapp 100 Leute finden sich an der Startlinie, im Alter von 9 bis 90. Wie überall gibt es einige, die ernsthaft um den Sieg rennen, andere machen von Beginn an einen Spaziergang. Die schöne Strecke lädt dazu ein, sich Zeit zu lassen. Allerdings ist das Streckenprofil höchst anspruchsvoll. Im Monferrato liegt jedes Dorf ganz oben auf einem meist steilen Hügel. Deshalb geht es nach einem Stück durchs Dorfzentrum erstmal tief hinab und später heftig wieder hinauf. Im Ziel erhalten wir für 10 Euro Startgeld ein T-Shirt und eine Flasche Wasser.


Zu meinem Lauf: 6,2 km, 32:16, keine Ergebnisliste

Erst am Vortag bei der Ankunft im Urlaubsort erfuhren wir vom Lauf am nächsten Tag. Keine Frage, dass wir uns  eine solche Gelegenheit vor der Haustür nicht entgehen lassen. Ungewohnt spät ist der Start um 19:30 Uhr, doch dabei sein ist alles. Ich beginne flott, bald noch flotter, weil es schön bergab geht. Bald geht das Durchschnittstempo aber in den Keller. Zweistellige Steigungsprozente zwingen mich zu einer Gehpause. Wieder oben im Dorf halte ich irritiert an, weil mir ein schneller Läufer an einer Kreuzung entgegen kommt. Doch ich bin auf Kurs, er ist falsch geleitet worden. Das ist auch einigen anderen passiert, die mich lange zuvor überholt hatten und dann Minuten nach mir das Ziel erreichen. Der entspannten Stimmung tut das alles keinen Abbruch. Auch ich bin zufrieden. Immerhin konnte ich den ältesten Teilnehmer, einen drahtigen 89jährigen (!), um 2 Minuten auf die Plätze verweisen. Oder hatte der sich auch verlaufen?
 

456

22.04.18 London (UK), 38. Marathon
42,2

Nur geringfügig haben die Londoner die Anzahl der vergebenen Startnummern erhöht, doch das genügt, um erstmals über 40.000 Läuferinnen und Läufer ins Ziel zu bringen. Dafür hat man jetzt auch erstmals einen Wellenstart eingerichtet. Der läuft so perfekt in kurzen Abständen ab, dass kaum Zeitverlust gegenüber dem früheren Ablauf entsteht, aber es geht deutlich entspannter auf den ersten Kilometern zu. Später jedoch, besonders in den Docklands, zeigt sich die Strecke am Rande ihrer Kapazität. Angesichts der Enge ist ein Geradeauslaufen oftmals nicht mehr möglich. Das stört hier die wenigsten, denn London hat unverändert eines der langsamsten Teilnehmerfelder der Welt. Offizielles Zeitlimit ist 8 Stunden, doch der Zielschluss wird tolerant gehandhabt, und die Ergebnisliste enthält noch einige Finisher mit über 9 Stunden. Heute spielt das Wetter dabei auch eine Rolle, es ist mit 24°c der wärmste London-Marathon aller Zeiten. Entsprechend sieht man mit fortschreitender Laufdistanz immer mehr Erschöpfte am Straßenrand kauern. Es ist gar ein Todesopfer zu beklagen, paradoxerweise war das aber ein junger guttrainierter Läufer.


Zu meinem Lauf: 42,2 km, 4:46:53, 111. M65 von 264, 19.891 gesamt von 40.224

Nun war genau das passiert, was ich unbedingt vermeiden wollte: der schlimmste Muskelkater aller Zeiten, jegliche Wellness-Massnahmen in den Tagen zwischen Boston und London blieben wirkungslos. 30 Minuten vor dem Start mache ich einen ersten Laufversuch. Die Stimmung sinkt ins Unterirdische. Ich kann mir nicht vorstellen, mit diesen Beinen auch nur ein paar Kilometer zu laufen.

Dann sind die Schmerzen aber doch erträglich. Ich halte ein 6-Minuten-Tempo bis km 30. Dann wollen weder die Beine noch der Kopf weitermachen. So bleibt der Rest ein Spaziergang durch das dichtgedrängte Londoner Publikum. Zwischendurch bitte ich erfolgreich einen Zuschauer um einen Schluck Bier, ebenso erfolgreich fange ich einen taumelnden, offenbar unterzuckerten Läufer gerade noch auf, bevor er rücklings auf den Asphalt fällt. Mein Schritttempo liegt bei 8:15 min/km. Ich füge mich in mein Schicksal, will nur noch die Medaille und nicht zu denen gehören, die erschöpft am Straßenrand liegen. Was bleibt, ist ein Lauf für die Statistik.
 

455

16.04.18 Boston (US), 122. Marathon
42,2

Wenn es einen legendären Marathon gibt, dann ist es der in Boston. Dank der Majors-Serie hat er auch international mehr Bedeutung erlangt. Für US-Amerikaner ist er seit eh und je der Marathon mit der größten Anziehungskraft, nicht nur weil er der älteste ist. Er findet am Patriots' Day statt. Er hat Geschichte geschrieben, u.a. durch Kathrine Switzer, die hier als erste Frau offiziell einen Marathon gelaufen ist. Letztlich hat auch das tödliche Attentat von 2013 und vor allem die amerikanische Reaktion darauf die Aura Bostons noch erhöht.

Dass nach 122 Jahren die Organisation weitgehend perfektioniert ist, überrascht nicht. Was die detaillierten Informationen rund um den Lauf angeht, setzt Boston die absoluten Benchmarks. Umso erstaunlicher, dass man heute auf den sintflutartigen Regen nicht vorbereitet ist, obwohl der Wetterbericht das seit Tagen richtig vorhergesagt hat. Das Startgelände versinkt im knöcheltiefen Schlamm, die letzte Stunde vor dem Start wird zum Chaos. Letztlich kümmert sich hier niemand mehr um Startblöcke oder Wellenstarts. Jeder ist nur noch froh, irgendwann irgendwie auf der Strecke zu sein. Wer nicht gerade als Eliteläufer aus Afrika oder Deutschland gekommen ist, der hält dennoch durch bis ins Ziel. Die Ausfallquote ist trotz des schlechtesten Wetters aller Zeiten fast so gering wie sonst auch. Bemerkenswert, dass die Abbrecherquote bei Frauen (3,8%) deutlich geringer ist als bei Männern (5%).


Zu meinem Lauf: 42,2 km, 4:32:48, 241. M65 von 562, 20.754 gesamt von 25.746

Dass ich mich nicht für Boston qualifizieren konnte, wurmt mich schon etwas. Vor 2 Jahren bin ich um 20 Sekunden gescheitert, diesmal war ich ganz chancenlos. So geht mein Dank an InterAir dafür, dass ich mir diesen Stern anheften darf.

Im eiskalten Regen am Start kann ich mir kaum vorstellen, dass heute ein Marathon möglich ist. Wie alle anderen lasse ich mir das nicht anmerken und starte mit der Regenjacke, die zum Wegwerfen vorgesehen war, und renne die ersten 10 km auch noch mit dem Plastiksack. Viele lassen ihn sogar bis kurz vor dem Zieleinlauf an.

Zwischendurch lässt der Regen etwas nach, und an windgeschützten Stellen kommt mir alles halb so schlimm vor. Dann kommt der nächste Guss, und in 2 Sekunden bin ich wieder nass bis auf die Haut. Der stürmische Gegenwind trägt zum Erlebniswert bei. Ebenso die "Kiss me"-Studentinnen am Wellesley-College. Dann beginnen schon bei Halbmarathon die Oberschenkel zu schmerzen. Mit ein paar kleinen Gehpausen rette ich mich ins Ziel. Die lange Zielgerade verursacht bei mir ein ebenso langes Strahlen, verstärkt durch einen letzten Wolkenbruch.

454

18.03.18 Hörnum - List, 37. Syltlauf
33,3

Die Syltlauf-Macher bleiben ihrer Linie treu. Hier läuft alles noch genau so ab, wie seit 37 Jahren schon. Die Anmeldung erfolgt per Landpost mit ausgefülltem Formular, die Bestätigung erhält man per Sylt-Ansichtspostkarte. Die Ansprache beim Start durch Syltlauf-Vater Franz Beilmann wird vom Winde verweht, doch da er seit 37 Jahren dieselben Späße macht, wissen wir auch so, wann wir lachen sollen.

Wie immer waren die 900 Startplätze für Einzelläufer spätestens ein halbes Jahr vorher ausverkauft. Doch in diesem Jahr erreichen nur 2 Drittel davon das Ziel. Viele treten wohl gar nicht erst an, weil der strenge Winter vom Training abhielt. Nicht wenige brechen aber auch heute den Lauf in Westerland ab, wohl wissend, dass der eiskalte Nordost-Wind ab Kampen seine volle Wirkung enfaltet. Und viele sind nach 4 Stunden noch auf der Strecke. Es sind heute die härtesten Bedingungen seit vielen Jahren, doch beim Syltlauf gibt es kein Pardon. Wer nach 4 Stunden nicht im Ziel ist, bekommt zwar noch seine Medaille, erscheint aber nicht in der Ergebnisliste.


Foto: Warm anziehen heißt es mal wieder beim Syltlauf.


Zu meinem Lauf: 33,3 km, 3:23:21, 4. M65 von 11, 306. gesamt von 609 (50%)

Läufer zählen nicht unbedingt zu den vernünftigsten Menschen. Zum Beispiel ich. Aber es ist ja auch alles gebucht und bezahlt. Da lass ich mich doch von einer banalen Erkältung nicht zurückhalten. Am Start habe ich dann leichte Zweifel, ob das alles so richtig ist. Aber erstmal geht es munter los, der Wind kommt von rechts und wirft uns nur ab und zu aus der Spur. Ich entdecke einen M65er von Spiridon Frankfurt und versuche, an ihm dranzubleiben. Erst ein Hustenanfall, dann die Verpflegungsstation lassen mich mehrfach abreissen. Und der Typ läuft so aufreizend locker, während ich allmählich an meine Grenzen komme. In Westerland muss ich ihn ziehen lassen.

Und dann beginnt das Drama. Schon bei Kilometer 24 bin ich ganzkörpererschöpft und muss die erste Gehpause einlegen. So geht das weiter bis nach List. Auf der Zielgeraden kann ich gerade noch den Sieger der M75 abfangen. Der Spiridon-M65-Mann hat mir auf der zweiten Hälfte 20 Minuten abgenommen. Was für ein Desaster! Ist das alles nur dem Schnupfen geschuldet oder geht es mit mir so steil bergab? Dass ich damit sogar noch den 4. Platz belege, kann mich nur wenig trösten. Aber die Medaille ist wirklich schön. "Königin der Nordsee" ... mit Bescheidenheit hatte man es auf Sylt noch nie.

453

04.03.18 London (UK), 1. The Big Half
21,1 (Fun Run ausgefallen)

Wenn in Südengland mal 2 cm Schnee fallen, ist das Land am Rande des Zusammenbruchs. So bleibt auch die Durchführung der Halbmarathon-Premiere in London noch bis Samstag fraglich. Es handelt sich um ein neues Event der Organisatoren des London-Marathons, das vordringlich als lokales Ereignis aufgezogen wird. So erhalten die Anwohner der 4 Stadtteile, durch die die Strecke führt, die Startnummer für ermäßigte 10 Pfund.

Ansonsten ist die Handschrift des London-Marathons klar wiederzuerkennen. Doch gibt es keine Marathon-Messe. Die Startnummern werden den Teilnehmern vorab zugeschickt. Allerdings nur im Inland. Briefe über den Kanal zu schicken, scheint im Brexit-Country undenkbar. Alle Ausländer müssen sich vor dem Start die Unterlagen holen und dazu noch den Ausweis vorzeigen.

Die Premiere sieht über 11.000 Läufer und Läuferinnen, kann aber an die Stimmung des Marathons bei weitem noch nicht heranreichen. Zuschauer ballen sich nur an wenigen Punkten, auch die Musikunterhaltung ist sehr begrenzt. Dafür ist die Streckenführung einfallsreich. Auf einigen engen Gassen mit mittelalterlichem Kopfsteinpflaster und vielen engen Kurven zeigt man uns die historischen Ecken des alten Londons. Die Siegerzeit von Mo Farah ist mit 1:01:40 folglich auch weit von absoluten Topzeiten entfernt. Bemerkenswert ist die Frauenquote von 49,5%.


Zu meinem Lauf: 21,1 km, 1:51:47, 8. M65 von 48, 3562. gesamt von 11.598 (31%)

Unser London-Wochenende steht unter keinem guten Stern. 2 Nachmittage verbringen wir am Düsseldorfer Flughafen, um am Samstagabend statt in London endlich in Birmingham zu landen und den Rest per Bahn zurückzulegen. Schließlich empfängt uns aber der Sonntagmorgen mit Sonnenschein und die Laufbedingungen sind bestens. Weniger optimal ist, dass ich vor dem Start noch 40 Minuten für die Startnummer anstehen muss. Wenig gentleman-like drängle ich mich etwas vor und kann auf die letzte Sekunde gerade noch meinen Kleiderbeutel abgeben.

Beim Lauf wird es dann nicht besser, aber das liegt an mir selbst. Die schlechte Form von Bertlich bestätigt sich auch heute. Von Beginn an schnappe ich nach Luft. Mit großer Mühe kann ich das geplante Tempo bis km 15 halten, aber dann bröckelt es. Es bleibt mir nur die Hoffnung, dass das an einer nicht ganz ausgeheilten Erkältung liegt und es irgendwann von selbst wieder besser läuft.

Ich wusste nicht, dass die Altersklassen auch in England nach Geburtstagsdatum wechseln. Dann bastel ich mir meinen M65-Platz eben selbst. Sieht wenigstens besser aus.

Übrigens wurde auch noch der Rückflug gecancelt. Von einer Buchung bei "Flybe" kann ich nach dieser Erfahrung nur dringend abraten.

452

18.02.18 Herten, 104. Bertlicher Straßenläufe
0,8/5/7,5/10/15/21,1/30/42,2

Auch die Umbauarbeiten in den gastgebenden Werkstätten-Häusern können den SuS Bertlich nicht aus der gewohnten Ordnung bringen. Souverän wird umorganisiert, so dass man sich schon fragen muss, ob es jetzt nicht noch besser klappt als vorher. Wieder einmal sind über 1000 Läuferinnen und Läufer bei den Bertlicher Straßenläufen zu Gast, die heute zum 104. Mal stattfinden. Das Erstaunlichste ist, dass immer wieder ausreichend Freiwillige aktiviert werden können, und das drei Mal im Jahr. Sie haben den Dank aller Teilnehmer verdient.

Man gewöhnt sich über die Jahre an die Bertlicher Perfektion und ihre Eigenarten, doch dass man 2 Stunden auf die Ergebnisliste warten muss, ist ein Anachronismus. Geschuldet zum einen der für Bertlich typischen Handarbeit, doch vor allem auch der bevormundenden Regel, die Ergebnisse nicht vor der Siegerehrung zu verkünden. Dabei muss man angesichts der wunderbaren Kuchentheke und einem schon professionellen Rund-um-Catering gar nicht befürchten, dass die Leute fluchtartig die Stätte verlassen.


Zu meinem Lauf: 21,1 km, 1:52:40,
3. M65 von 7, 86. gesamt von 168 (51%)

Die Zielvorgabe heißt heute, ein Tempo von
5:20 min/km zu testen. Das ist das Wunschtempo für den Syltlauf in 4 Wochen. Dort gilt es dann aber, das für 33 km zu halten!

Am Ende kommt ein Schnitt von 5:18 zustande. Das sieht nach Erfolg aus. Doch war ich heute wider Erwarten am Limit. Es gibt also noch Einiges zu tun. Dass es damit heute keinen Läuferpokal zu gewinnen gibt, war klar. Die M65-Siegerzeiten sind allerdings über fast alle Distanzen ernüchternd. Es sieht so aus, dass es auch mit Bestform und als Jüngster der AK nichts wird.

Erst im Nachhinein stolpere ich über mein Jubiläum: 40 Mal in Bertlich! Ich hoffe, noch mindestens auf 50 zu kommen, vermutlich dann immer noch sieglos.

(Foto: Wolfgang Steeg, catfun)

451

14.01.18 Hout Bay (RSA), Bay to Bay Run
15/30

Am Start des 15km-Laufs vor dem Hafen von Hout Bay spricht der Moderator zu Recht von Rekordbeteiligung. Es dürften an die 3000 Teilnehmer sein, die sich hier aufstellen. Dabei gehen mindestens noch einmal genauso viele in Camps Bay auf die Langstrecke, die sich als Vorbereitung auf den Peninsula-Marathon im Februar und den legendären Two Oceans am Ostersamstag anbietet. Für Südafrika typisch ist das buntgemischte Feld. Vorne wird Hochleistung geboten, hinten wird oft mehr gewalkt als gelaufen, und dennoch werden alle mit ihrer Leistung voll akzeptiert. Im Ziel sind alle wieder beisammen und versorgen sich im stets fürsorglich aufgebauten Vereinszelt.

Respektvoll ist schon die Begriffswahl. Ab 40 ist man Master, ich bin mit 60 ein Grand Master und die 70jährigen dürfen sich Great Grand Master nennen. Nach deutschen Regeln wäre das jetzt schon mein 2. Lauf in M65, doch in Südafrika wechselt die Altersgruppe nicht zum Jahreswechsel, sondern individuell mit dem Geburtstag.


Zu meinem Lauf: 15 km, 1:25:13,
5. M60 von 48, 294. gesamt von 2.555 (12%)

Montezuma rächt sich nicht nur in Südamerika, sondern hat mich auch hier hinweggerafft und die ganze Woche über Sport unmöglich gemacht. So bin ich glücklich, heute schon wieder an den Start gehen zu können. Vorsichtig teste ich, ob die Eingeweide das laufende Geschaukel tolerieren. Dann kann ich zu meiner Freude das Rennen ganz ordentlich zu Ende laufen. Start ist weckerfreundlich heute erst um 07:30 Uhr, allerdings mit der Konsequenz, dass bald nicht nur das Hemd, sondern sogar die Hose tropfend schweissnass ist. Selbst die atlantische Brise vermag da nicht zu helfen.

So gesehen, darf ich mit meiner Leistung nicht hadern, zumal auf den ersten 5 km gleich 150 Höhenmeter zu bewältigen sind.

Wie immer erfährt man beim Zieleinlauf direkt seine Platzierung im Gesamtfeld. Unter den ersten 300 zu sein, macht sich ganz gut. Da darf ich mein Kärtchen noch stolz in die Ergebnistafel klemmen, während ferner Gelaufene nur noch schnöde in einem Pappkarton gesammelt werden.
 

450

06.01.18 Constantia (RSA), 44. Hohenort 15K
15

Läufe in Kapstadt und Umgebung sind stets gut frequentiert. Dieser hier scheint einen besonders guten Ruf zu haben. Hier treten über 2000 Läuferinnen und Läufer an, obwohl die Strecke alles andere als einfach ist. Über unzählige Rampen und eine besonders fiese Steigung geht es auf ruhigen Straßen mit rund 200 Höhenmetern durch die Vororte am Osthang des Tafelbergs. Unzählige Streckenposten hat der Veranstalter aufgeboten, und alle sind gut gelaunt. Kaum einer läuft an ihnen vorbei, ohne "thank you, marshal" zu sagen. Laufen in Südafrika bietet immer wieder eine besondere, familiäre und freundliche Atmosphäre. Auch mit diesem großen Teilnehmerfeld wird alles in Handarbeit abgewickelt. Nach einer Woche ist die Ergebnisliste wie gewohnt als Excel-Tabelle im Internet abrufbar. Für die freiwilligen Helfer gibt es übrigens einen separaten "Helpers Run" am Mittwoch zuvor, der auch 76 Teilnehmer hatte.
 

Zu meinem Lauf: 15 km, 1:22:57,
17. M60 von 79, 512. gesamt 2.158

Wieder so ein Nachtlauf. Start ist um 06:00 Uhr. Ich bin ohnehin ein klassischer Morgenmuffel und demzufolge der letzte, der um diese Zeit Hochleistung bringen kann. Trotz der vielen Wettkämpfe bin ich eher unzufrieden mit dem Urlaubstrainings-pensum. Das ganze ist wenig strukturiert und das Pensum insgesamt zu gering. Na gut, das soll dann zuhause wieder besser werden. Heute lasse ich es betont ruhig angehen am Start. Auch um 6 Uhr bin ich nach wenigen Hundert Metern schweissgebadet. Den langen Anstieg bei km 9 gehe ich größtenteils, wie fast alle anderen um mich herum. Die Steigung hat etwa 10%, da ist man gehend nicht viel langsamer. Am Ende bin ich in der Lage, noch etwas zu forcieren, und der heute gemäßigte Hustenanfall kommt erst im Ziel. Dort gibt es wie immer Cola, genau einen Becher für jeden, und leider statt einer Medaille ein Paar Socken. 
 

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